Ruten 
Die Angelrute an sich hat folgende Aufgaben:
–  Sie soll helfen den Köder auf eine gewisse Distanz, weg vom Ufer zu bringen.
–  Sie soll durch eine gewisse Beweglichkeit, vor allem in der Spitze, in der Lage sein Bewegungen am Köder anzuzeigen.
–  Sie soll eine gewisse Dämpfung der Fluchten des gehakten Fisches gestatten.
 
Grundsätzlich ist jede Angelrute zum Angeln an unseren Küsten mehr oder weniger geeignet. In Beziehung zu den Aufgaben die eine Angelrute zu erfüllen hat, sind je nach Angelart die Wichtigkeit der einzelnen Punkte unterschiedlich. Es gibt an unseren Küsten viele unterschiedliche Bedingungen, dies gilt für den zu befischenden Untergrund als auch für die benötigten Wurfweiten und die Wetterfaktoren.
Es gibt Stellen und Situationen in denen ist man am besten mit einer 1,80 Grundrute mit 60 Gramm Wurfgewicht aufgehoben; wenn man zum Beispiel auf einem Bootsteg angelt, der im Hochsommer voller Touristen ist. Eine lange Rute wäre hier nur hinderlich und die Butt-Bisse sieht man durch die sensible Rute auch besser. Andererseits wird man mit so einer Rute an einem windigen Tag auf einem offenen Herbst-Strand deutlich weniger fangen als mit einer 4 Meter langen Rute mit 200 Gramm Wurfgewicht. Dieses Beispiel verdeutlichen daß es die perfekte Brandungsrute für alle Gelegenheiten nicht geben kann. Im Allgemeinen kann man sagen, daß das Beurteilen einer Brandungsrute immer ein großes Stück mit persönlichen Vorlieben zu tun hat.
Trotz dieser Individualität, oder gerade deswegen,muß man bei der Entscheidung für die eigene Brandungsrute doch einige allgemeine Punkte beachten:
–  Wie sehen die zu befischenden Untergründe aus? Sind es eher steinige mit Geröll und Kraut und der Gefahr, daß das Sytem irgendwo am Boden hängen bleiben kann, oder sind es vorallem die Strände mit großen Sandbänken mit geringer Hängergefahr?
–  In welcher Entfernung sind die Fische zu finden? Sind weite Würfe notwendig, oder reicht ein einfacher Überkopfwurf?
–  Wie sind die Bisse, sind sie eher vorsichtig oder kräftig?
Welche Fischarten sollen beangelt werden? Ist es eventuell von Vorteil eine gewisse Flexibilität in der Rute zu haben, so daß Stöße durch heftige Fluchten des Fisches abgefangen werden können.
 
Dies sind erstmal die wichtigsten Punkte. Je nachdem welche Voraussetzungen stärker erfüllt sein müssen, sollte man sich seine Rute aussuchen. Es gibt mittlerweile wohl tausende verschiedene Brandungsruten mit genausovielen unterschiedlichen Ausstattungsmerkmalen und natürlich Preisen. Grundsätzlich ist zu Preisen folgendes zu sagen: es ist wie überall wo es um leidenschaftlich ausgeführte Hobbys geht; manche Menschen erfreuen sich halt an herrlich gearbeiteten Ruten, die natürlich auch einiges Kosten. Andere sind mit der Rute für ein paar Euro mit Rolle und allem "drum und dran" durchaus zufrieden. Hier zählt immer auch der eigene Anspruch. Allerdings kostet Qualität immer auch ihren Preis, niemand hat etwas zu verschenken. Grundsätzlich sind handgearbeitete Ruten teuerer als maschinell gefertigte.
Einer der besten Tipps für den Kauf einer guten und relativ günstigen Angelrute ist sich das Gerät vom Vorjahr anzuschauen. Diese Auslaufmodelle sind zwar wenn sie gut waren, immer recht schnell ausverkauft, wenn sie im Preis reduziert wurden. Jedoch kann man ja auch ein bisschen Herumtelefonieren und manchmal lohnt sich auch eine etwas längere Autofahrt, dies sollte man dann mit der Ersparniss vergleichen. Allerdings ist es natürlich auch nicht so daß diese herabgesetzten Ruten nun gleich alle gut sind. Man sollte schon mit dem ein oder andreren erfahrenen Brandungsangler (und nicht dem Aalangler von nebenan ;o)) sprechen und sich so meist recht "hersteller- und gewinnungebunden" beraten lassen.
Am besten ist es sich die Rute mal mit auf die Wiese zu nehmen und auszuprobieren, mit an den Strand bekommt man diese, aus verständlichen Gründen nur selten geliehen.
 
Welche Rute für welchen Meeresgrund
Steine und Kraut
Dieser rauhe Untergrund ist oft die beste Vorraussetzung viele Systeme zu verlieren. An dieser Art von Stränden haben sich härtere Ruten mit einer möglichst steifen Spitzenaktion als am geeignetsten herausgestellt. Mit solchen Ruten kann man den Untergrund "spüren" und sehr schnell reagieren. Mit etwas Übung ist man tatsächlich in der Lage dafür zu sorgen das das Sytem sich nicht komplett an einem Unterwasser-Hinderniss verfängt. Unter der Steifheit dieser Ruten leidet natürlich deren Bissanzeige.
 
Weite Sandbänke
Hier hat man keine Probleme mit Hängern. Das heißt man kann hier auch Ruten mit weicherer Spitze einsetzen. Ruten die etwas mehr Flexibilität haben und so in der Lage sind schnell und sensibel auf einen Biss zu reagieren.

Mischgrund, Sandbänke mit Krautfeldern
Dies ist wohl, zumindest an der Ostsee der häufigste Untergrund in Ufernähe. Hier treffen die beiden Extreme aufeinander. Die Anforderungen die hier an eine Rute gestellt werden sind teilweise unvereinbar. Einerseits möchte man die Bisse gut erkennen können, andererseits will man aber auch den Untergund sehr gut spüren. Was man nun braucht ist ein besserer oder schlechterer Kompromiss.
Ich persönlich habe das Problem auf die Weise gelöst, daß ich immer mit zwei verschiedenen Ruten angele. Eine mit sehr sensibler Spitze und eine mit einer festeren Spitze. Je nachdem an welchem Strand ich mich befinde kann ich mir überlegen wie weit ich mit den Ruten auswerfen möchte und in wie weit ich dadurch, zum Beispiel die Hängergefahr herabsetzen kann. Grundsätzlich fische ich lieber mit sensibleren Ruten, man sieht mehr und hat auch mehr vom Drill.
Dreiteilige Brandungsrute

Wie weit muß die Rute werfen können
Erstmal wirft auch eine Brandungsrute nur soweit, wie ihr Benutzer sie kontrollieren kann, mehr hierzu auf der Turnierwurfseite.
Auf Grund dessen daß man meistens nicht weiß wo die Fische stehen, kann man davon ausgehen daß es sehr sinnvoll ist die Rute mit dem größten Kraftpotential zu benutzen, da man mit ihr "theoretisch" die größten Distanzen werfen kann und damit auch die größte Meeresgrundfläche absuchen kann.
Es ist natürlich nicht so, daß jeder mit der kraftvollsten Rute am weitesten wirft. Hier geht es natürlich auch um die Erfahrung des Anglers. Jeder Ungeübte der versucht mit einer sehr starken Rute eine große Distanz zu werfen, wird erkennen daß man mit einem normalen Überkopfwurf oder einem geraden Ablegewurf keinerlei Weite erzielen kann. Deshalb ist es wichtig zu wissen welchen Wurfstil man verwenden will.
In Deutschland wird meist der normale Überkopfwurf praktiziert. Die erfahreneren Brandungsangler benutzen häufig einen geraden Ablegewurf. Um diese Wurfstile optimal umzusetzen, müssen die Ruten eine relativ durchgängige (parabolische) Aktion haben und dürfen im Hand- und Mittelteil nicht zu hart sein, sondern müssen sich gerade in diesen Zonen einigermaßen leicht aufladen lassen. Hier ist genau der Unterschied zu Ruten die für moderne Wurfstile entwickelt wurden. Diese Ruten haben alle relativ harte Mittel- und Handteile.
In Deutschland wird diese Art von Ruten als Naturköder-Ruten bezeichnet. Diese Ruten werden hier fast ausschließlich zum Bootsangeln genutzt.
Daß diese Ruten bei uns nicht zum Brandungsangeln genutzt werden liegt nicht daran, daß man mit ihnen nicht weit werfen kann und daß sie keine gute Bissanzeige haben. All diese Faktoren sind bei Naturköderruten von Haus aus besser als bei den Dreiteiligen. Nein der Grund ist der, daß der allergrößte Teil der deutschen Brandungsangler nicht die Zeit aufbringen möchte um einen guten Wurfstill zu erlernen und somit auch nicht in der Lage ist das Mögliche aus diesen Ruten herauszuholen und ohne Lernen und Üben lohnt sich eine Naturköder-Rute halt nicht am Strand.
Ein weiterer für viele Brandungsangler wichtiger Grund ist der, daß Naturköder-Ruten immer zweiteilig und die normalen Brandungspeitschen meist dreiteilig sind. Bei 4 Metern Gesamtlänge bedeutet das, daß eine 3-Teilige zusammengebaut ca 1,40 Meter lang und eine 2-Teilige ca.2,05 Meter lang ist. Dies ist vielen "zu" lang. Auf Grund der hohen Beanspruchung und der Gewichtsoptimierung ist es nicht zu empfehlen eine Naturköder-Rute 3 teilig zu bauen.

   Brandungsangler-Lexikon für die Ostsee und Nordsee
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