Juni 2000 in Blackpool / Nordengland 


Wir kamen gegen frühen Nachmittag am Strand von Blackpool an. Wir das waren: Kristian und Arne aus Dänemark, Tony und Lionel unsere britischen Gastgeber und ich. Nachdem wir unser Auto ca. einen Kilometer rechts von dem berühmten Turm der Stadt parkten (der auf einem der Bilder im Hintergrund zu sehen ist), schulterten wir unsere Sachen und marschierten den langen Weg von den Deichmauern zur Brandung. Tony hatte extra für uns 40 weiche Krabben "Peelercraps" besorgt, leider waren die meisten der Krabben schon bei dem Händler wegen unsachgemässer Hälterung gestorben, der Gestank war erbärmlich. Zusätzlich hatten wir auch noch Wattwürmer (die Briten unterscheiden diverse Arten von Wattwürmern, diese heissen "Blacklug"/schwarzer Wattwurm). Die Würmer hatten alle ungefähr die gleiche Größe, um die 16-18cm, ausserdem waren sie "typisch englisch" zubereitet, das heisst sie waren mehrere Tage jeden Tag von neuem in trockenes Zeitungspapier gewickelt worden um ihnen das Wasser zu entziehen. Das kann man nur mit schwarzen Wattwürmern machen, die anderen Arten sterben sehr schnell unter dieser Behandlung da sie eine dünnere Haut haben. Der Vorteil des Endwässerns der schwarzen Wattwürmer, liegt darin das sie sehr lange haltbar sind und das man sie in Stücken an den Haken bringen kann ohne das sie zu schnell ausschwemmen, ausserdem konzentriert sich auch das Aroma, ich wünschte ich hätte solche Würmer mal am Ostseestrand.




Wir waren also bestens mit Ködern ausgerüstet und Kristian, Arne und ich waren hoch motiviert, heute unseren ersten Wolfsbarsch zu fangen. Das Wetter war blendend, strahlender Sonnenschein und milde Temperaturen.
Nachdem wir alle unsere Ausrüstung ausgepackt und die ersten beköderten Systeme zu Wasser gebracht hatten, fing auch schon das Wasser an zu steigen. Die Bedeutung von Ebbe und Flut vergessen wir Ostseeangler manchmal, hier wurde mir wieder bewusst was aufsteigendes Wasser heisst. Wir mussten mehrere Male umziehen und das immer über einige hundert Meter, bis wir schliesslich auf der ca. 8 Meter hohen Kaimauer unser Dauerlager für die Flut aufschlugen. Innerhalb kürzester Zeit standen links und rechts neben uns, im Abstand von jeweils 20 bis 30 Meter, schon viele andere Angler. Die Einheimischen wissen natürlich das die Chancen etwas zu fangen bei Ebbe sehr gering sind, deshalb waren nur so wenige andere Angler vorher mit uns unten am Strand gewesen, aber wir waren natürlich die neugierigen Touristen und Tony und Lionel die aufmerksamen Gastgeber.




Bisher hatten wir gar nichts gefangen, aber hier auf der Kaimauer und bei Flut konnte es ja nur besser werden. Das englische Wetter zeigte sich diesmal jedoch von seiner zickigen Seite und von einem Moment auf den anderen, hatten wir klassisches Herbstwetter, grauer Himmel und auffrischender Wind, die Temperatur fiel auch rasant. In einer Entfernung von ca. 80 Metern war die Strömungsrinne in der das Wasser mit unglaublicher Geschwindigkeit von links nach rechts floss, hier hinein zu werfen war ein Rezept um innerhalb kürzester Zeit sein System inklusive einiger Treibgutstücke wieder einholen zu müssen. Ich und Lionel warfen immer nur um die 30 Meter, denn wir wollten den Angeltag geniessen und uns nicht von Seetang, Plastiktüten, und ganzen Baumstämmen die Laune verderben lassen. Die Anderen warfen allerdings immer wieder tapfer in den Strom, denn dort ist natürlich auch auf dem Meeresgrund die meiste Bewegung und damit die Wahrscheinlichkeit grösser, einen jagenden Barsch an den Haken zu kriegen. Kurz vor dem Wasserhöchststand war Arne plötzlich ganz aufgeregt und holte sein System langsam ein und tatsächlich an dem Haken hing ein Wolfsbarsch, leider war er untermassig und ging fast unverletzt wieder zurück in die Fluten. Die Freude war jedoch trotzdem gross, immerhin der Erste in Arnes Leben. Ungefähr eine Stunde später fing ich dann auch noch eine gerade massige Scholle, sie hatte eine ganze, grosse, weiche Krabbe an einem 3/0 Haken genommen, die eigentlich für einen Barsch gewesen war. Es ist doch immer wieder erstaunlich was für riesen Köder Plattfische in ihre kleinen Mäuler kriegen. Nachdem die Scholle auch wieder zurückgesetzt war und es mittlerweile auch schon angefangen hatte zu nieseln, packten wir unsere Ausrüstungen wieder ein und beendeten diesen nicht so erfolgreichen, aber spannenden Angeltag. Ich hoffe das ich dieses Jahr im Rahmen des internationalen Turniers des U.K.S.F. wieder Gelegenheit finde an Englands Küste zu fischen.

Vielen Dank an Tony und Lionel für ihre Gastfreundschaft.




 
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