Wurftechniken 
Um wirklich weit zu werfen, denken viele Angler immer noch, das es nötig ist möglichst viel Kraft und eine hohe Geschwindigkeit in den Wurf zu stecken. Glücklicherweise ist es nicht so. Sicherlich bedarf es einer gewissen Kraft, jedoch wird diese sehr vorsichtig eingesetzt und hat mit »Gewaltwürfen« nichts zu tun.
Die Würfe von denen viele träumen werden nur durch drei Dinge erreicht: Technik, Technik, Technik und »etwas« Muskelkraft. Wer jemals bei einem Weitwurf Turnier zugesehen hat, wird bemerkt haben wie leicht und geschmeidig die weitesten Würfe ausgesehen haben, sicherlich gibt es auch hier Wettkämpfer die mehr Kraft als Technik einsetzen, diese werden allerdings nie an die Spitzenweiten heranreichen, für mich alles ab 220 Meter.
Die folgende Liste zeigt Skizzen der Startpositionen. Das linke Bild zeigt jeweils die Sicht von der Seite, das rechte Bild zeigt die Ansicht von Oben.
Die Klassiker
Überkopfwurf

Wohl als den Vorfahren aller Wurfstile kann man ihn bezeichnen. Er ermöglicht dem Werfer ein hohes Maß an Sicherheit und zumindest zum Angeln meisst die nötige Entfernung.

Ablegewurf / Of the Ground

Eine Weiterführung des Überkopfwurfes, durch das in einer Linie zur Rute abgelegte Blei, hat der Werfer mehr Kontrolle über das Wurfgewicht und etwas mehr Weg um die Rute aufzuladen. In dieser Form sicherer als der normale Überkopfwurf.

 
 
Die Speziellen
Unicast / Brightonstyle

Der Uni-cast, auch Brighton-style genannt, wurde entwickelt um auch auf von Touristen besuchten Pieren und Mohlen (wie zum Beispiel im Seebad Brighton, in Südengland), auf relativ sichere Weise eine stärkere Kompression in die Rute zu bekommen, als mit dem normalen Ablegewurf. Trotzdem bedarf es etwas Übung den Auslösepunkt richtig zu setzen und das Blei nicht steil in die Höhe zu katapultieren. Manchmal, wenn zum Beispiel zu viel Kraft oder die falsche Rute für das zu werfende Gewicht benutzt wird, kann dieser Wurf leicht die Spitze der Rute zum brechen bringen.

 
Zuidafrikaan

Die Grundlage für die wirklich weiten Würfe. Erfunden in Südafrika um an den Hai zu kommen. Bei diesem Wurf handelt es sich um einen Ablegewurf (Of the ground/Otg). Er wird je nach Situation, Erfahrung und angestrebter Weite immer seitlicher gestartet, je nach dem wie weit das Gefühl für das richtige Timing ausgebildet ist, kann man die Kompressionsstrecke verlängern. Die momentanen Rekorde nach U.K.S.F. Regeln liegen bei ca.240m. Dieser Wurf eignet sich nur sehr bedingt zum Angeln an belebten Stränden und wenn sollte man schon über ein gerüttelt Maß an Erfahrung verfügen und die Kompressionsstrecke nicht zu lang wählen.

 
Pendelwurf / Pendulum

Mit dieser Wurftechnik werden die Weltrekorde geworfen. Der Pendelwurf hat noch mehr Varianten als der südafrikanische Wurf. Allerdings wirft man mit dieser Technik nicht automatisch weiter als mit diesem "Of the ground", es gibt sogar viele Tunierwerfer die wieder zum Otg wechseln da die Beherrschung des Pendelwurfes sehr schwierig ist und die Wahrscheinlichkeit auch bei aller Übung, grösser ist das was schiefgeht und der Wurf, zum Beispiel beim Turnier, nicht gezählt werden kann. Der Pendelwurf funktioniert nach den gleichen physikalischen Regeln wie der Zuidafrikaan und tatsächlich, um den Pendelwurf zu lernen muss man den südafrikanischen Wurf können. Wie will man ein Blei das man von drei Metern über den Boden beschleunigt beherrschen, wenn man das gleiche Blei nicht vom Boden (wo es unbewegt liegt) beherrscht. Das grösste Problem beim Pendelwurf wie auch beim südafrikanischen Wurf ist der gleichmässige Anstieg der Beschleunigung, erst am Ende des Wurfes kommt die eigentliche Wucht des Werfers ins Spiel. Wenn die Kraft zu früh in den Wurf gesteckt wird, wird die Rute schneller sein und die Kompression schon vor dem Auslösepunkt abgeben. Kein Werfer auf der ganzen Welt ist so schnell wie eine über den Punkt geladene Pendelrute. Bei all dem was man über diesen Wurf schon gehört oder gelesen hat, zum erlernen bedarf es auf jeden Fall eines verantwortungsbewussten Trainers. Denn falsch gelernt und falsch ausgeführt ist dieser Wurf ebenso wie der Zuidafrikaan hochgradig gefährlich, nicht nur für andere Personen. Mein Tip ist erstmal den Zuidafrikaan so weit beherrschen das man regelmässig über 170 Meter wirft, dann erst dieses Wissen nutzen und mit dem Pendelwurf beginnen.

 
Backcast

Der Backcast ist eine Form des Pendelwurfes und demendsprechend gelten auch die oben genannten Sicherheitshinweise für diesen Wurfstil. Der Werfer steht bis zum Ende des Wurfes mit dem Rücken zur Wurfrichtung und sollte sich natürlich vorher vergewissern das dort niemand steht, oder schwimmt. Als der grosse Vorteil zu allen anderen Wurfstilen ist zu sehen, das der Backcast dazu geeignet ist sehr schwere Gewichte gegen einen kräftigen Wind zu werfen, nicht umsonst wird dieser Stil sehr häufig im Nordosten Englands zum Brandungsangeln benutzt um gegen die starken östlichen Winde anzukommen.
Hier noch eine kleine Geschichte zu schweren Gewichten: Einige Mitglieder des Kent Casting Club hatten 1999 die Idee ein schweres Gewicht (geschätzt wurde es auf 1 lbs) auf dem Turnierfeld zu werfen, der Rekord des Tages war ein Wurf von 160 Metern. Beim späteren wiegen des Gewichtes stellte sich jedoch heraus das es "nur" 300 Gramm wog. 300 Gramm über eine Distanz von 160 Metern, irgendwann werde ich das auch mal versuchen ;o). Die Ruten die für diesen Wurfstil gebaut werden, sogenannte Backcaster, haben von Haus aus ein sehr grosses Gewicht und eine ungeheuere Stabilität, sie sind nicht unbedingt härter als eine normale Pendelwurfrute aber sie sind zäher, um mit den grossen Gewichten besser klar zu kommen. Als ich das erste mal so einen Stock in der Hand hatte dachte ich sofort an den Mast eines Windsurfboards :o)
 

 
 | Brandungsangeln | Turnierwerfen | Veranstaltungen | 
 | Videos | Spiele | Links | Impressum | 
Urheberrecht © 1999-2011 Mario Reinstadler  |  IMPRESSUM