Gerätschaften 

Die Ruten
Turnierwurfruten sind in der Regel auch gute Brandungsruten, nicht jede Brandungsrute ist jedoch eine brauchbare Turnierwurfrute. Hier in Deutschland sind die wirklich allermeisten Angelruten die zum Brandungsangeln benutz werden, entweder billig und schlecht bis mittelmässig vom Wurfverhalten, oder aber teuerer und mehr oder weniger bedienungsfreundlich. Bedienungsfreundlich heißt in diesem Zusammenhang daß man mit diesen Ruten in der Lage ist mit einem normalen Überkopfwurf eine ausreichende Distanz zu realisieren. In der Tat bin ich der Meinung das es mit diesen Ruten, mit ein wenig Übung möglich ist ein Wurfgewicht von 125 – 175 Gramm, bei Windstille, auf eine Entfernung von 120 – 140 Meter zu bringen. Aber die Distanzen um die es beim Tunierwerfen geht liegen bei über 200 Metern und dafür bedarf es sehr wohl anderer Techniken als des Überkopfwurfes und damit auch Ruten die in der Lage sind dem hohen Druck zu widerstehen die zum Beispiel ein »Schleuderwurf« entwickeln kann.
 
 
Es gibt für jeden der jetzt überprüfen möchte ob seine Rute einen normalen »Schleuderwurf« mit einem 150 Gramm Blei effizient umsetzen kann folgenden Test: Das Handteil der Rute wird auf zwei Stühle oder Montageböcke gelegt, so dass das obere Ende auf dem einen Stuhl und das untere Ende auf dem anderen Stuhl liegt. Jetzt wird genau in die Mitte des Handteils ein 28 Kg. schweres Gewicht gehängt, man sollte dies zum Schutz der Rute sehr langsam und vorsichtig herunterlassen. Wenn sich das Handteil nun um mehr als 8 cm durchbiegt ist die Rute zu schwach um den Anforderungen moderner Wurfstile auf dem Turnierfeld zu entsprechen. Ausscheiden tun bei diesem Test schonmal alle 3 teiligen Ruten die mir bekannt sind (Merke: Bei 3 teiligen Ruten muss für diesen Test noch ein Teil des Mittelstückes dazu gemessen werden, denn es geht bei diesem Test um den unteren Teil des »Rückrads«).


Die Rollen
Es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Systeme von Rollen die zum Tunierwerfen genutzt werden können. Auf der einen Seite die Stationärrolle und auf der anderen Seite die Multirolle.
 
 
Die Stationärrolle hat gegenüber der Multirolle den Vorteil das man das Werfen mit ihr nicht wirklich lernen muss. Man legt den Bügel um und wirft, den Rest erledigt die Rolle von selber, natürlich erledigt die Rolle hier garnichts, sie bewegt sich nicht mal (deshalb »Stationär«-rolle oder im englischen fixedspool-reel). Es ist lediglich so daß die Schnur in Kringeln von der Spule springt, wo sie vorher durch die Drehung des Überwurfbügels aufgewickelt wurde. Einer der Hauptnachteile ist daß die Schnur sich beim Aufwickeln immer stärker verdreht, gegen dieses Problem haben sich die Rollenhersteller etwas einfallen lassen: Antitwistsysteme z.B. Twistbuster. Diese speziellen Schnurlaufröllchen reduzieren den Drall, um mind.70% und sind insofern für mich eine wirklich sinnvolle Entwicklung. Ein weiterer Nachteil ist daß die Schnur durch die Spulenkante gebremst wird. Der Bremseffekt erhöht sich je mehr Schnur von der Spule fehlt, d.h. je grösser der Abstand von der Schnurfüllungsoberkante zum Spulenkante ist, desto höher ist die Reibung und damit die Bremswirkung.
 
 
Einer der grossen Nachteile der Multirolle (wenn man es eilig hat), ist daß man das Werfen mit ihr üben muß und daß man wirklich eine ausführliche Einweisung braucht. Die Multirolle ist etwas pflegebedürftiger und man kann ihre Laufeigenschaften durch sehr viele Faktoren beeinflussen. Das kann Multirollen in ihren Wurfeigenschaften sehr individuell machen. Im Gegensatz zur Stationärolle läuft bei der Multi die Schnur gerade und ohne Drall ab und wird auch ohne diesen wieder aufgespult. Das grundsätzliche Prinzip dieser Rollen liegt darin, daß die Drehung die man am Hebel ausführt durch eine Übersetzungsmechanik vervielfacht (multipliziert) auf die Spule übertragen wird, deshalb Multi(plizier)rolle. Grundsätzliche Neuerungen sind bei den Multis die zum Tunierwerfen und Brandungsangeln genutzt werden, momentan vorwiegend verschiedene Bremssysteme. Die Mechaniken sind zumindest von den Spitzenherstellern immer noch unverwüstlich und wenn in einer neueren Rolle weniger Teile als in dem Vorläufermodel zu finden sind, so ist das zumindest bei diesen Herstellern meist ein Zeichen dafür daß wieder eine "Verbesserung" in Punkto Stabilität und Vereinfachung des Services eingetreten ist.


Umgebaute ABU® 6500 und 5500
 
Bei Multirollen die zum Turnierwerfen benutzt werden, betrifft der Umbau fast immer die Spulen-Bremse. In den meisten Fällen – wie auch auf dem Foto (zwei meiner Schmuckstücke) – wird ein magnetisches System in die Seitenplatte eingebaut. Die Magneten sind über den Knopf in der Mitte der linken Seitenplatte in ihrer Stärke regulierbar. Obwohl die Spulen aus Alumininium sind, tritt durch die enorme Beschleunigung beim Wurf doch ein physikalischer Bremseffekt in Verbindung mit den Magneten auf. Durch die schnelle Drehung der Spule (es werden Kugellager ab Standzeiten von 30000 U/Min genutzt) entsteht ein elektrisches Feld, welches dann wie ein Kissen die Spule abbremst. Es gibt viele verschiedene Umbau-Arten, aber alle haben eines gemeinsam, sie werden nicht von den Rollen-Herstellern angeboten. Es sind immer einzelne Personen die sich an die Rollen setzten und die benötigten Teile und Gehäuseänderungen häufig noch mit Hand–Werkzeugen erledigen.
Von den Firmen ABU® und PENN® sind in den letzten Jahren einige magnetgebremste Systeme auf den Markt gekommen, jedoch eignen sich die meisten dieser Modelle eher zum Fischen. Eine Rolle von PENN® ist speziell für das Turnierwerfen gebaut worden: PENN® 525 Mag T (man beachte das »T«). Dies ist die einzige mir bekannte Rolle dieser Art die serienmäßig gebaut wird.

Eine magnetisch gebremste Spule, verstärkt den Vorteil der Multi für größere Weiten noch zusätzlich.
Wenn das Blei schon ein gutes Stück geflogen ist und die Spule schon recht viel Schnur gegeben hat, hat man die Möglichkeit mit Hilfe des Drehknopfes die Magneten von der sich immer noch rotierenden Spule weg zu bewegen. Dadurch wird die Spule sich zum Ende des Wurfes nochmal schneller drehen und das Blei kann noch ungebremster die letzten Meter fliegen. Jedem dem schon mal ein schöner Wurf mit guter Flugbahn gelungen ist und der zum Ende nochmal die Spule »aufgedreht« hat, wird dieses tolle Gefühl der sich nun plötzlich wesentlich schneller drehenden Spule wohl vertraut sein. Ganz im Gegensatz zu dem nicht so tollen Gefühl, wenn man zu früh aufgedreht hat und die Spule noch selbst zu viel Beschleunigung hatte. Dieses bedeutet dann meist einen Abriss.
Also mit magnetisch gebremsten Systemen perfekt zu werfen bedarf schon gewisser Erfahrung, aber beim Turnier lohnt es sich immer.


Welche Rolle

Welche Rolle man jetzt benutzen will ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. Erfahrungen zeigen daß der Unterschied sehr gering ist und nur sehr gute Werfer überwerfen mit der Multi tatsächlich sehr geübte Stationärrollenwerfer. Die Unterschiede liegen in den Spitzengruppen bei ca.3% d.h.wenn ein Werfer mit der Multi 210 Meter wirft liegt der ebenso erfahrene Stationärrollenwerfer bei ca 204 Meter (bei Benutzung von 0,35 mm Hauptschnur). Das wird am Strand dadurch wettgemacht, daß man mit der Stationärrolle nicht so windanfällig ist. Auf dem Turnierfeld allerdings sieht man nur selten Stationärrollen. Dies liegt wohl hauptsächlich daran, daß mit der Stationärrolle ab einer gewissen Erfahrung und Weite die man erzielen möchte, nur noch ein Wurfstil in Frage kommt, der
Backcast.
Warum daß so ist kann jeder mal versuchen der über 200 Meter mit der Stationärrolle werfen möchte. Ich werfe momentan ausschließlich mit der Multirolle, obwohl es seine Zeit und Übung gekostet hat bis ich mit der Multi soweit warf wie ich es vorher mit der Stationärrolle tat. Der größte Vorteil den mir die Multirolle bietet ist der, daß das Werfen viel geschmeidiger ist und auch sein muss, dadurch ist der Weg zu immer stärkerer Kompression der Rute möglich. Beim Angeln bedeutet dies für mich daß meine Köder selbst bei sehr weiten Würfen noch am Haken bleiben.


Bauanleitung für ein
Übungs-Wurfgewicht
Da man »nicht nur« als Anfänger manchmal Abrisse und vielleicht auch mal einen Querschläger hat (muß nicht sein), ist es oft nötig mit etwas anderem als einem Blei zu üben. Ich benutze diese Übungs-Wurfgewichte immer noch häufig, da sie nicht soweit fliegen wie Bleie und weil man dadurch in kürzerer Zeit eine größere Anzahl an Würfen absolvieren kann.
Da es beim Üben mit diesen Gewichten nicht darum geht eine große Weite zu erzielen, konzentriert man sich auch mehr auf den Wurfstil, und das ist dann natürlich später wieder zuträglich für die »echten« Würfe. Ich kann diese Übungsgewichte nur wärmstens empfehlen.






Man benötigt für die Herstellung dieses relativ sicheren Wurfgewichtes:
Einen Tennisball (möglichst drucklose Sorte), Silicon Dichtungsmasse in der Tube, Bleischrot oder kleine Bleikügelchen, einen ca. 5cm langen sehr stabilen Metallstab mit rundgebogenen Enden und etwas sehr dickes Nylon (ich empfehle mindestens 0,80mm). Eine kleine Waage sollte auch vorhanden sein.
 
 
1. Man verbinde durch einen stabilen Knoten die Nylonschnur(1) mit der Metallstange(2).
 
2. Durch einen etwa 1 cm langen Schnitt im Tennisball wird nun der kleine Metallstab(2) in den Ball eingeführt, es ist absolut wichtig das sich der Knoten auch noch nach dem Einführen, relativ in der Mitte der Stange(2) befindet.
 
3. Jetzt wird durch den Schlitz ca. 20gr. Siliconmasse(5) in den Ball gedrückt (Kontrolle z.B. mit Küchenwaage).
 
4. Über Nacht an der Nylonschnur(1) hängen und das Silicon setzen lassen.
 
5. Nun drückt man entsprechend dem Wurfgewicht das man erhalten möchte eine gewisse Menge an Bleistückchen(4) durch den Schlitz in den Ball.
 
Hinweis:
Die Bälle die ich benutze wiegen neu ca.58gr. Wenn sie bis oben hin mit Silicon gefüllt sind, wiegen sie nach dem Trocknen ca.130gr. Das bedeutet das ich wenn ich z.B. ein Wurfgewicht von 150gr. erhalten möchte noch 20gr. von den Bleistückchen hinzufügen muss.
 
6. Jetzt muss man mit etwas Feingefühl den Metallstab(2) etwas vom Rand des Balles wegschieben, so das er ungefähr den Platz wie in der Skizze erreicht.
 
7. Zum Schluss wird der letzte leere Raum(3) im Tennisball, bis zum überlaufen mit der Siliconmasse gefüllt.
 
8. Der Ball wird so lange kräftig geschüttelt bis die kleinen Bleistückchen(4) sich nicht mehr bewegen.
 

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